Einen PIWI-Wein auf das gescheiterte Volksbegehren

Morgen gibt es hoffentlich was zu feiern. Es sieht ganz so aus, dass das vollkommen bescheuerte Volksbegehren gegen die Randbebauung des ehemaligen Flughafens in Berlin-Tempelhofbis Montag, 24 Uhr nicht die erforderlichen 174.000 gültigen Unterschriften zusammenbekommt. Gut so, denn eine unheilige Allianz aus „linken“ Geisterfahrern, Flughafennostalgikern und grün angehauchten Spießern, die ihre Idylle auf Kosten des dringend benötigten Wohnungsbaus erhalten wollen, ist so ziemlich das Letzte, was Berlin braucht.

Jedenfalls steht bei mir ein Cabertin bereit. Dabei handelt es sich um Rotwein aus einer jener pilzwiderstandsfähigen Rebsorten („PIWIS“) die in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten gezüchtet wurden, um Öko-Winzern den Verzicht auf Pestizide zu erleichtern.

So sieht Biodiversivität im Weinberg aus

Die Weintrinker tun sich recht schwer mit den neuen Sorten, nur der Regent  hat sich ein wenig aus der Öko-Nische entfernen können. Doch besonders bei den weißen Sorten wie Johanniter, Solaris, Muscaris und Cabernet blanc bewegen sich die Anbauanteile noch im Promillebereich. Traditionelle Varietäten wie Riesling, Weissburgunder oder auch Chardonnay haben einfach einen besseren Klang.

Am Sonnabend habe ich jedenfalls einen Solaris vom Weingut Lanz in Nonnenhorn am Bodensee getrunken. Das Gut ging aus einem Obstbaubetrieb hervor, der bereits seit 1996 ökologisch nach Bioland-Richtlinien arbeitet. 2003 wurden die ersten Reben – und zwar ausschließlich PIWIS – gepflanzt, mittlerweile sind zwei Hektar im Ertrag. Darunter auch Solaris. Die Resistenz der frühreifenden Sorte gegen Mehltau ist so hoch, dass sie ohne jegliche Fungizidbehandlung kultiviert werden kann. So weit, so gut. Aber schmeckt das Zeug auch?

Zunächst entströmt eine mächtige Duftwolke dem Glas. Das erscheint im ersten Moment nicht besonders angenehm, es sei denn, man ist Fan von gezuckertem Obstsalat aus der Dose. Doch nach wenigen Sekunden ist die Attacke vorbei, Mirabelle und Marakuja erfreuen die Nase. Am Gaumen dann ein bisschen Wassermelone, Mango und reife Tafeltraube, aber insgesamt zunächst ein nicht ganz so schicker , leicht zuckriger Eindruck. Doch auch das ist schnell vorbei; es entfalten sich feine Noten von Quitte, Bittermandel und Karamell, alles eingebettet in feine amimierende Säure. Ein richtig schöner „halbtrockener“ Wein mit Charakter. Und daher weigere ich mich auch, dass, bei Piwis sehr beliebte Spiel „schmeckt ein bisschen wie….“ oder „erinnert entfernt an…..“ mitzuspielen. Solaris ist ein Solitär, und wenn sich noch mehr Winzer dieser Sorte so liebevoll widmen wie Lanz, dann wird sie sich über kurz oder lang ihren angemessenen Platz im deutschen Rebsortenspiegel erkämpfen.

Mal sehen, ob das auch für den Cabertin zutrifft. Den trinke ich morgen aber nur, wenn das bescheuerte Volksbegehren wirklich gescheitert ist. Denn sonst wird meine Laune so schlecht sein, dass ich den Wein nicht mehr vernünftig beurteilen kann. Dann eben ein anderes Mal.

Den Solaris 2012 vom Weingut Lanz gibt es für 9 Euro ab Hof

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2 Gedanken zu “Einen PIWI-Wein auf das gescheiterte Volksbegehren

    • Eins weiß ich jedenfalls: Wenn Du das nächste Mal bei mir aufläufst, gibt’s Kadarka aus dem Tetrapack, du Wohnungsbauverhinderer