Heisse Woche und jetzt heisser Tee

Eine spannende Woche neigt sich dem Ende zu. Den Schock  über das offenbar von langer Hand vorbereitete Bündnis von Syriza mit einer klerikal-rassistischen Rechtspartei habe ich noch nicht so ganz überwunden. Auf der anderen Seite freue ich mich über das schnelle und konsequente Handeln von Tsipras: Renten und Mindestlöhne erhöht, Privatisierungen gestoppt, Entlassungen im Öffentlichen Dienst rückgängig gemacht. Das dürfte in großen Teilen Europas auf verschärftes Interesse stoßen, besonders in Spanien, Portugal, Italien und Frankreich, wo immer mehr Menschen wenig Lust verspüren, sich Merkels Spardiktaten und den Profiterwartungen der Banken zu beugen. Let’s rock the EU!

Erfreulich ist ferner, dass sich PEGIDA offenbar gründlich zerlegt hat. Nach dem Abgang der rechtsliberal-bürgerlichen Clique um Frau Oertel reduziert sich die Bewegung auf offen rassistische und teilweise neofaschistische Strömungen wie z.B. in Leipzig. Selbst die AfD hat jetzt die Schnauze voll von PEGIDA. Dennoch ist das kein Grund zur Entwarnung, denn das Gedankengut und die Menschen, die PEGIDA zumindest in Dresden relativ stark gemacht haben, sind immer noch da.

Dann hätten wir da noch die schwarz-olivgrüne Protagonistin Katrin Göring-Eckardt, die vor ein paar Tagen bei der IHK Berlin dankenswert offen dargelegt hat, wie sie sich grüne Politik vorstellt. Das habe ich ausführlich  im Neuen Deutschland gewürdigt.

Der Genussfaktor kam in dieser Woche etwas zu kurz. Immerhin habe ich wieder mal  eine Flasche des recht teuren, aber mittlerweile wirklich fantastischen Panterra 2011 vom Weingut Hummel gegönnt. Ein reinsortiger Cabernet Franc mit kühler, dichter und extrem würziger Frucht. Anfangs war er noch sperrig, aber mittlerweile ist das ein richtig großer Wein für große Momente. Beim Essen gehts eher wetterangepasst bodenständig zu. Ich experimentiere gerade mit verschiedenen Würzungen für Wachtel- und Saubohnen, z.B. Cumin und Kurkuma. Und versuche, eine beginnende Erkältung nieder zu kämpfen. Hoch lebe heißer Sud aus frischem Ingwer!

 

είμαστε Syriza? Schön wär’s

Nicht nur jeder Linke, sondern jeder einigermaßen humanistisch gesinnte Mensch wird sich gefreut haben, als klar wurde, dass das Linksbündnis Syriza die griechischen Parlamentswahlen mit Pauken und Trompeten gewonnen hat. Es war eine Wahlentscheidung nicht nur gegen die korrupten Eliten, die das Land seit Jahrzehnten ausplündern. Es war auch ein Votum gegen Angela Merkel und ihre Verbündeten in den Zentralen der Finanzkonzerne, die an dem Land ein Exempel für ihre „Austeritätspolitik“ statuieren wollen.

Na dann viel Erfolg!

 

Das Spardiktat der Troika hat in Griechenland zu einer in der EU beispiellosen Verarmung großer Teile der der Bevölkerung geführt. Über ein Viertel ist arbeitslos, Millionen Menschen sind von medizinischer Versorgung ausgeschlossen. Weiterlesen

Berlin: Zwischen Olympiawahn und Mieten-Volksbegehren

Dass in Berlin überdurchschnittlich viele Politiker offenbar einen rostigen Nagel im Kopf haben, hat sich weltweit rumgesprochen. Man müsste es also nicht permanent bestätigen, denn der geplante Flughafen reicht noch für Jahre als Beleg. Dennoch haben diese Honks wieder zugeschlagen. Vor ein paar Tagen eröffnete die Landesregierung mit einer Lichtinstallation am Brandenburger Tor die offizielle Kampagne für die Bewerbung Berlins für die Olympischen Spiele 2024 bzw 2028. Eine Stadt mit über 60 Milliarden Euro Schulden, in der fast jedes 5.Kind in Armut lebt, in der es immer weniger bezahlbaren Wohnraum gibt und deren soziale Infrastruktur in den Bezirken längst schon kaputt gespart ist, bewirbt sich also um das korrupteste und teuerste Sport-Event der Welt. Immerhin: Im Herbst will man die Berliner in einer Volksbefragung, deren Ergebnis bindend sein soll, um ihre Meinung fragen. Und bereits im März könnten die Olympiaträume ohnehin platzen, da dann die Sportfunktionäre entscheiden, ob sie nicht vielleicht doch lieber Hamburg ins Rennen schicken. Aber alleine die Idee, sich um Olympia zu bewerben sollte eigentlich reichen, die Protagonisten in der Landesregierung auf ihre Zurechnungsfähigkeit untersuchen zu lassen.

Glücklicherweise sind nicht alle Berliner irre. So gibt es eine interessante und durchaus chancenreiche Initiative, der Berliner Mieten- und Wohnungspolitik mit einem Volksbegehren eine andere Richtung zu verpassen. Über den Stand der Dinge habe ich neulich in der taz berichtet. Haupthindernis könnte allerdings das sozialchauvinistische Milieu sein, das sich mit „linken“ und „grünen“ Mäntelchen in faktisch jeder Ecke der Stadt gegen jeglichen Neubau wendet und ihn zu verhindern trachtet.

Ansonsten bin ich nach einer sehr arbeitsreichen Woche jetzt mal wieder genussmäßig unterwegs. Die Großgarnelen liegen in einer fantastischen Marinade, im Regal stehen feinherbe Rieslinge von der Mosel und der Ruwer als Begleiter parat. Die Tofu-Lachsterrine ist bereits fertig und die ganze Wohnung stinkt nach fermentierten Wandersocken, weil ich für die Käseplatte in meiner halbgentrifizierten Markthalle u.a. einen Weißlacker erstanden habe. Mal sehen, ob der dafür ausgewählte Gewürztraminer dem Stinker Paroli bieten kann. Falls die erwähnten Weine den Erwartungen gerecht werden, folgt in der kommenden Woche ein kleiner Bericht.

Für die amtliche Garnelenmarinade: Knoblauch, Zitronengras, Chili und Koriander

Griechischen Wein habe ich leider nicht im Haus, aber ich werde schon was Passendes finden, wenn sich am Sonntag bei den ersten Hochrechnungen bestätigen sollte, was die Umfragen nahe legen: Einen Sieg des Linksbündnisses Syriza gegen die korrupten Altparteien. Mögen sie Merkel, der Europäischen Kommission und vor allem dem internationalen Finanzkapital das Fürchten lehren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich war demonstrieren!

Trecker in Berlins City: Das hat was!

In Berlin ist fast immer was los. Zum aktuellen Programm gehören (ab Montag) das Top-Event magersüchtiger Models („Fashion Week“), die „Grüne Woche“ genannte Propagandashow des Bauernverbandes (seit Freitag) und die große „Wir haben es satt“-Demo gegen Letzteres am Sonnabend in der Berliner Innenstadt zwischen Potsdamer Platz und Kanzleramt.

Dort sind die Guten: Gegner des Freihandelsabkommens TTIP, der Gentechnik in der Landwirtschaft und der Massentierhaltung bzw. Anhänger des ökologischen Landbaus (was nicht identisch sein muss). Dahinter stehen viele örtliche Initiativen, aber auch große Verbände wie der BUND und Greenpeace.

Hier sind aber auch die Irren, die mir erzählen wollen: „Auch Tiere haben Rechte“. Na dann kann sich Schwein Erwin ja sich beim Amtsgericht Osnabrück über die Bedingungen seiner Haltung beschweren und notfalls bis zum Bundesverfassungsgericht gehen. Sehr schön auch „Nutztierhaltung ist Sklaverei“ und mein absoluter Favorit: „Auch Tiere wollen in den Himmel“. Keine schöne Vorstellung, Weiterlesen

Fragen für die Zeit nach “Charlie”

Wir alle, von Angela Merkel und dem Vorstand der Deutschen Bank bis zum Hartz-IV-Empfänger, waren schon mal Papst, später dann Fußball-Weltmeister und sind jetzt halt Charlie. Der Pseudo-Empathie-Hype um die ermordeten Mitarbeiter einer französischen Satire-Zeitung verraucht langsam, und jeder geht wieder seinem Job und hoffentlich auch seinen Gedanken nach – und das wird auch langsam Zeit.

Für jene Menschen – ich zähle mich dazu – die sich dem Eintreten für soziale Emanzipation und der entsprechenden Umverteilung der Ressourcen verpflichtet fühlen, stellen sich komplizierte Fragen, auf die ich teilweise noch keine schlüssige Antwort habe. Da haben es Menschen mit geschlossenen Weltbildern wesentlich einfacher.

Zu den Fragen:

1.) Wie gehen wir mit Religionen um, wo setzen wir die Grenzen der Religionsfreiheit? Wieviel staatliche Repression ist notwendig und für uns akzeptabel, um diese Grenzen durchzusetzen?

2.) Gibt es in den westlichen kapitalistischen Gesellschaften zivilisatorische und (rudimentär) demokratische Werte und Institutionen, die es ohne Wenn und Aber zu verteidigen gilt?

3.) Wie stehen wir dazu, IS, Al Qaida und und ähnliche hochgefährliche Wahnsinnige mit allen verfügbaren militärischen Mitteln auszuradieren? Können wir akzeptierern, dass es dazu nicht nur heldenhafter kurdische Milizen bedarf, sondern auch der massiven Unterstützung imperialistischer Mächte – denn nur die verfügen über die entsprechenden militärischen Mittel.

Um die schmerzliche Debatte über diese und viele andere Fragen kommt man wohl nicht herum, wenn man weiter ernsthaft für eine Gesellschaft ohne Ausbeutung, Unterdrückung, soziale Marginalisierung und Krieg eintreten will. Und das müssen wir – ebenfalls ohne Wenn und Aber.

Säkularisierung – jetzt!

Eigentlich bahnte sich ein richtig prallvoller Sonnabend an. Zunächst wollte ich den „Neujahrsempfang“ der PARTEI Berlin-Mitte (der ich auch angehöre) besuchen. Anschließend stand der Besuch der Rosa-Luxemburg-Konferenz der „Jungen Welt“ auf dem Plan, über die ich für das „Neue Deutschland“ berichten sollte. Der Abend sollte dann auf einer „Soliparty“ einer aufstrebenden linksradikalen Gruppe (NaO) ausklingen, der ich zwar aus guten Gründen nicht angehöre, deren leitendes Personal ich aber teilweise persönlich durchaus schätze.

Heraus gekommen ist ein Sonnabend, an dem ich nach ein paar notwendigen Einkäufen am Vormittag meine Wohnung nicht mehr verlassen habe. Aus verschiedenen Gründen: 1.) Bei der PARTEI ist es zwar immer sehr lustig, aber seit dem Massaker von Paris und der teilweise unsäglichen Diskussion darüber ist mir im Moment nicht so ganz nach lustig. 2.) Für die Konferenz verweigerte mir die Junge Welt die Akkreditierung unter Hinweis auf ein vor über drei Jahren im Rahmen einer (längst beendeten) arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung erteiltes Hausverbot. Soviel zum Thema Linke und Pressefreiheit. 3.) „Solipartys“ mit schlechter Musik und schlechtem Bier sind eigentlich sowieso nicht mein Ding. Zudem habe ich mich darüber geärgert, dass sich die NaO als offizieller Unterstützer der jW-Konferenz nicht zu dem gegen mich verhängten Berichtsverbot äußern wollte. Auch das gehört zum Thema Linke und Pressefreiheit. Das gilt auch für den Fachbereich Medien von ver.di Berlin-Brandenburg: Auch Unterstützer der Konferenz, auch kein Statement zu meinem Hausverbot.

Es wurde also ein eher melancholischer, nachdenklicher Tag, den ich allerdings nicht mit Grübeleien über derartige Petitessen vergeudete. Aber Paris steckt mir in den Knochen, oder vielmehr das unerträgliche Geschwätz darüber. Weiterlesen

Eine Demonstration zu wenig am Montag

Am Montag wurde in Deutschland wieder reichlich demonstriert. Während PEGIDA in Dresden eine feste Größe zu sein scheint, sind die diversen Trittbrettfahrer in Berlin, Köln usw. glücklicherweise nur kleine Häufchen von Schwachmaten ohne nennenswerte Resonanz. In Berlin geht die rassistische Post eher in Hellersdorf und ähnlichen öden Orten ab, wenn NPD-Kader und empörte Bürger Hand in Hand gegen Flüchtlingsunterkünfte pöbeln.

Dass sich in Berlin gestern dennoch insgesamt mindestens 5000 Menschen aufgemacht haben, um die 2-300 Vollpfosten, die sich hier BÄRGIDA nennen. in die Schranken zu weisen, ist zweifellos in Ordnung. Dennoch bekomme ich einen gewissen Würgereiz, wenn ich mit örtlicher und überregionaler SPD- und Grünen-Prominenz “für ein solidarischen Miteinander” demonstrieren soll.

Eine viel wichtigere Demonstration hat es am Montag leider nicht gegeben. 5000 oder besser 50.000 Menschen hätten zur SPD-Zentrale marschieren sollen. Denn am Montag hatten Parteichef Gabriel und Arbeitsministerin Nahles via Süddeutsche Zeitung quasi offiziell verkündet, dass die vor zehn Jahren wirksam gewordenen “Hartz-Reformen” eine ganz prima Sache seien, Deutschland entscheidend voran gebracht hätten und die Kritik daran endlich aufhören müsse.

Wenn in einer Millionenstadt 300 Idioten und Nazis gegen “Islamisierung” auf die Straße gehen, dann ist das zwar unappetitlich, aber verkraftbar. Dass aber in einer Millionenstadt, in der jedes vierte Kind in Hartz-IV-Armut lebt, niemand mehr auf die Straße geht, wenn die dafür verantwortlichen SPD-Größen sich ihrer sozialen Barbarei auch noch rühmen, dann ist das nicht zu verkraften. PEGIDA scheint so langsam nicht nur, aber auch zur willkommenen Alibiveranstaltung für unsere ach so weltoffene politische Elite zu werden. Ganz zu schweigen von dem links-liberal-grünen Mittelstand, dem die schlimme soziale Verfassung unserer Gesellschaft ohnehin komplett Banane ist..

Krieg von Kabul bis zum Jobcenter

Das Jahresende ist die Zeit der Bilanzen. So endet der 13jährige Kampfeinsatz der NATO in Afghanistan und die haben es tatsächlich mit einem Festakt in Kabul gefeiert. Insgesamt 135.000 deutsche Männer und – ganz im Sinne des Gender Mainsteaming – Frauen durften ein bisschen Bundeswehr-Stahlgewitter-Feeling genießen und am Hindukusch deutsche Interessen „verteidigen“. Leichen pflasterten ihren Weg, darunter auch eigene Verluste und jede Menge afghanische Zivilisten. Als Belohnung gab’s für einige Söldner noch eine solide posttraumatische Belastungsstörung. Keiner will zugeben, dass die Mission vollkommen sinnlos war und die Taliban stärker sind, als je zuvor. Ball flach halten ist die Devise, wir wollen schließlich auch künftig noch ein paar Kriege führen. Und zur Volksbeglückung gab’s ja immerhin noch den Weltmeistertitel im Fußball für Helene Fischer oder so.

Ein weiterer Krieg dauert mittlerweile auch schon zehn Jahre und wird wohl auf unbestimmte Zeit weiter gehen. Dieser wird nicht mit Luftangriffen und gepanzerten Fahrzeugen geführt, sondern mit Gesetzen und deren willfährigen Vollstreckern. Die Rede ist von Hartz IV, wodurch nicht nur ein dauerhafter Armuts- sondern flankierend auch ein gigantischer Niedriglohnsektor und neue Formen prekärer Arbeit etabliert wurden. Wenn man weiß, dass in Berlin jedes vierte Kind in Hartz-IV-Armut lebt und dann vor ein paar Tagen in der „Augsburger Allgemeinen“ lesen konnte, die Hartz-IV-Gesetze seien „ein heilsamer Schock für ein träge gewordenes Land“ gewesen, dann möchte man dem Verfasser dieser Zeilen schlicht und ergreifend gerne eins in die Fresse hauen.

Kleiner Lichtblick: Die GDL wehrt sich gegen die Einschränkung des Streikrechts.
Foto:GDL

Auch sonst war 2014 ein Jahr des Fortschritts. Die Altersarmut kommt ebenso zügig voran wie der Pflegenotstand. Mit der AfD hat sich eine rechtspopulistische Kraft konsolidiert, mit PEGIDA zeigt die dumpfe kleinbürgerliche Fremdenfeindlichkeit auch jenseits der Brandsatzwerfer wieder ein weithin sichtbares, hässliches Gesicht. Die Bundesregierung hat einen „allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn“ beschlossen, der Millionen Erwerbstätige im Regen stehen lässt, sowie ein „Gesetz zur Stärkung der Tarifautonomie“ mit dem das Streikrecht drastisch eingeschränkt werden soll. Wer sich dagegen wehrt, wie z.B. die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), wird von vermutlich denselben Medien-Arschlöchern, die Hartz IV bejubeln, zum Freiwild erklärt.

Apropos Widerstand: Der größte „Erfolg“, den Berlins versammelte Linke, Grüne, Piraten, Naturschützer, Freiraumbewahrer, Antigentrifizierer usw. 2014 zu verzeichnen hatten, war ein komplett asozialer Volksentscheid gegen jegliche Wohnbebauung des Randbereiches des Tempelhofer Feldes. Und dieser ekelhafte Kiezchauvinismus beherrscht mittlerweile die gesamte Neubaudebatte in Berlin. Auch bei mir in Moabit hat man gegen die Einheitsfront der Baum- und Strauchschützer mit denjenigen Anwohnern, die ihren unverbauten Blick behalten wollen, kaum eine Chance. Selbst am Stadtrand in Buckow gibt es Bürgerinitiativen gegen Neubau. Die sind vielleicht nicht ganz so widerlich wie der Ostberliner Mob, der gegen Flüchtlingsunterkünfte hetzt, diesem aber ähnlicher, als sie denken.

Glücklicherweise hatte das Jahr neben Frust und viel Arbeit für mich auch schöne Aspekte. Z.B. eine ausgedehnte Gartensaison in Wandlitz mit viel Muße und einigen fröhlichen Gelagen.Tolle Impressionen bei Weinreisen an die Saar, nach Portugal und ins Burgund. Und natürlich die jährliche, fast schon spirituelle Seelenreinigung beim Bachfest in Leipzig und beim Jazzfest in Berlin.

Am 26.Dezember haben wir es nochmal krachen lassen: Tofu-Lachterrine, Rehkeule usw. Und natürlich gab es Weinerkenntnisse. 1.) Gereifte trockene Riesling-Auslesen, wie der 2009er Reiler Goldlay von Steffens-Kess, können eine Offenbarung sein. Wer irgendwie die Möglichkeit hat, sollte sich guten jungen Riesling ein paar Jahre beiseite stellen. 2.) Zu Wildgerichten gibt es anscheinend nichts Besseres als portugiesische Rotweine, in diesem Fall ein Touriga nacional von der Quinta do Crasto. So soll es sein, denn Genuss ist bekanntlich Notwehr.

 

 

 

Weihnachten in Moabit: Völlerei für Frieden und Fortschritt

Bambis letzter Gang. Diese Keule vom Brandenburger Reh harrt (samt Knochen für die Soße) ihrer finalen Verwendung beim Moabiter Weihnachtsmenü

Ja, wir lassen es in Moabit wieder mal krachen zu Weihnachten. Und zwar definitiv NICHT VEGAN! (Zu diesem Thema habe ich mich Heiligabend im Neuen Deutschland geäußert) Wir beginnen am 26. Dezember mit einem Jahrgangschampagner von der Domaine Dehours, den Blanc de Blanc Petit Meunier 2007 extra brut. Dazu ein paar Oliven-Räucherforelle-Wachtelei-Spießchen Ich werde mein Glas auf die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) erheben. Die hat sich vom rasenden Medienmob nicht einschüchtern lassen und unbeirrt an ihrem Ziel festgehalten, für alle ihre Mitglieder bei der DB, also auch Zugbegleiter, Bordgastronomen, Disponenten und Lokrangierführer, Tarifverträge abzuschließen. Das hat die Bahn mittlerweile zugestanden. Prost!

Es folgt die Tofu-Lachs-Terrine an Feldsalat mit Washabi-Himbeeressig-Vinaigrette. Dazu einen Reiler Goldlay Riesling Auslese trocken 2009 vom Weingut Steffens-Kess. Ich werde mein Glas auf jene aufrechten Dresdner erheben, die seit Wochen an jedem Montag mit einer “Dresden nazifrei”-Demo belegen, dass diese Stadt nicht nur aus “Rassisten und Idioten” (Jakob Augstein) besteht. Weiterlesen

Skandal in Moabit: Großartiger Glühwein aufgetaucht!

Mmmh, lecker Riesling-Glühwein von Harald Steffens

Für mich persönlich ist die Islamisierung des Abendlandes ein alter Hut. Bereits 2008 habe ich – damals noch in der „Jungen Welt“ – einige Fatwas gegen untragbare Geschmacksverbrechen ausgesprochen, z.B. gegen Dornfelder. 2010 folgten dann im „demokratischen Weinbuch weitere Verdikte gegen Prosecco, Federweißen und Glühwein. Im „kulinarischen Notfallkoffer“ und in einigen Artikel bei „Captain Cork“ wurden diese 2012 und 2013 bestätigt. Besonders das unumschränkte Verbot von Glühwein lag mir stets am Herzen – entsprechende Rechtsbelehrungen wurden von mir in jedem Jahr zu Beginn der kritischen Zeit Anfang Dezember in alle Winkel des Internets gepostet, zuletzt hier.

Und dann das! Am Sonnabend besuchte mich der Moselwinzer Harald Steffens in Moabit und hatte unter anderem eine Flasche Burger Hahnenschrittchen Riesling trocken 2011 im Gepäck. Diesen erhitzte er in einem Topf zusammen mit einer Zimtstange, zwei Nelken und 50 Gramm Zucker auf exakt 72 Grad. Anschließend wurde dieses Heißgetränk in Tassen gegossen und noch mit einer minimalen Prise Pfeffer veredelt. Weiterlesen