Tief durchatmen, relaxen und dann weiter…

Das Wochenende beginnt mit einer interessanten Frage: Ist Sigmar Gabriel ein Vollidiot oder ein dreister Lügner? Angeblich will er – obgleich Verhandlungsführer der SPD – nichts davon gewusst haben, dass laut der Vorlage der Bundesregierung zur Verschärfung des Asylrechts auch der Familiennachzug für die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge ausgesetzt werden soll. Was für ein Troll!

Ansonsten nervt mich das Gedöns zunehmend ab. In einigen „linken Kreisen“ gelte ich inzwischen als „Rassist“ oder „Faschist“, der „keine Existenzberechtigung hat“. Andere werfen mir vor, ich sei der „Stichwortgeber“ für die Hetze oder gar Morddrohungen gegen Flüchtlingshelfer. Dabei hatte mir lediglich erlaubt, meine Ablehnung der Forderung nach „offenen Grenzen und Bleiberecht für Alle“ zu begründen bzw. in einem Artikel auf einige Merkwürdigkeiten in der Helferszene hinzuweisen. Fast schon logisch, dass der von mir verbreitete Link zu diesem Artikel in einigen Foren sofort gelöscht wurde.

Sehr schön auch der neue „Moabiter Kirchenkampf“. Der Gemeindekirchenrat des Bezirks hat angeboten, dass die Heilandskirche als Außenstelle für die Flüchtlingsregistrierung genutzt werden könnte, um das berühmt-berüchtigte LaGeSo zu entlasten. Die Kirche liegt nur ein paar hundert Meter entfernt von der Skandalbehörde, vor der immer noch chaotische Zustände herrschen. Der Kirchenrat begründet dies mit der christlichen Verpflichtung, „das Mögliche zu tun, um die Not der vor dem Landesamt wartenden Flüchtlinge zu lindern“. Respekt! Und prompt meldet sich eine örtliche grüne Ikone mit Bundesverdienstkreuz um den Hals zu Wort und warnt davor, dass das die Stimmung „zum Kippen“ bringen könnte, von wegen Islamisierung und Abendland. Kotz!

Diesmal muss es klappen!

Höchste Zeit zum Relaxen. Da ich vermutlich der einzige Mensch bin, dem es noch nie gelungen ist, einen Avokado-Kern zum Keimen zu bringen, (auf dass eine stattliche Pflanze aus ihm entstehen möge), habe ich einen erneuten Versuch gestartet. Scheitert auch der, gebe ich auf. Für immer, versprochen. Die kleine Einkaufsrunde mit dem Fahrrad bei fast schon frühlingshaftem Wetter macht Freude, zumal es derzeit wieder Skrei gibt, diesen ausgesprochen schmackhaften Winterkabeljau. Dann mal wieder Sibelius aus den Boxen donnern lassen („Finlandia“ und „Karelia Suite“) , ein kleines Glas Elbling auf dem sonnigen Balkon trinken, Vor- und Nachspeise vorbereiten ( schwarze Tapanade und Mango in Portwein/Likörsoße) und den Wein zum Skrei kaltstellen (einen 2013er Weißburgunder aus der Südpfalz vom Weingut Manderschied) .

Könnte ein entspannter Abend werden. Ist auch nötig. Denn in der nächsten Woche nehme ich mir jene bigotten Zeitgenossen vor, die ihre vermeintliche Sorge um das Wohl der Flüchtlinge vorschieben, um die Nutzung des Randes ihrer geliebten Spielwiese auf dem Tempelhofer Feld zu verhindern. Und inzwischen habe ich mich fast daran gewöhnt: Nach dem Shitstorm ist vor dem Shitstorm.

Spanien: Handball flop – Cava top

Gestern gewann Frau Kerber das Grand-Slam-Turnier in Australien gegen die eigentlich unschlagbare Serena Williams, und heute hat die deutsche Handball-Nationalmannschaft im Endspiel um die Europameisterschaft die favorisierten Spanier mit 24:17 regelrecht gedemütigt.

Eigentlich mag ich keine „deutschen Helden“. Auf erfolgreiche Sportler projizierter Nationalstolz weckt Befürchtungen in einer Zeit, in der eine Partei, deren Frontfrauen öffentlich verkünden, auf unbewaffnete Frauen und Kinder an der Grenze schießen lassen zu wollen, dafür mit neuen Wahlprognoserekorden von bis zu 12% bundesweit belohnt wird.

Dennoch war das Endspiel ein sehenswertes Spektakel. „Junge Wilde“ nahmen abgezockte Superstars nach Strich und Faden auseinander. Und mit meiner Getränkevorwahl lag ich natürlich vollkommen daneben, denn ich hatte mir keinen deutschen Winzersekt, sondern einen Cava kalt gestellt, den „Brut Selectio“ von Öko-Weingut Parés Baltà. Auch mal eine Gelegenheit zu einem Glasvergleich: Flöte vs. Sektschale. Letztere hatte eindeutig die Nase vorn (durchaus wörtlich gemeint). Merke ich mir…

Wieder was gelernt: Sektflöten sind überschätzt, in Schalen entfaltet sich der Geschmack viel besser.

Der „Brut Selectio“ ist ein recht ungewöhnlicher Schaumwein. Sehr leicht (11,5%) und mit extrem ausgeprägte Zitrusnoten. Aber recht vielfältigen: Limette, Zitronenzesten, Blutorange und sogar Zitronensaft. Wenig Hefiges, kaum Champagner-Brioche in der Nase und am Gaumen. Die Cuvée aus Xarel-Lo, Macabeu. Parellada und Chardonnay (kann aber nicht allzu viel sein) setzt auf den heftigen Säurekick, der bei abnehmender Perlage etwas milder wird und von irgendwoher kommt da noch ein bisschen Bittermandel. Mir macht sowas ab und zu Spaß, und mit rund 14 Euro (in diversen Onlineshops) ist dieser Bio-Cava auch angemessen zurückhaltend bepreist.

Fast alle werden immer irrer. Vielleicht hilft Traminer

Was für eine Woche! Ein oder mehrere ganz besonders besorgte Bürger warfen eine scharfe Handgranate auf eine Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg) Glücklicherweise ist sie nicht explodiert. In Berlin erfindet ein durchgeknallter „Flüchtlingshelfer“ den Tod eines jungen Syrers als Folgen der tagelangen Warterei in der Kälte vor dem LaGeSo. Und keiner kommt zunächst auf die Idee, dieses Facebook-Gerücht zu verifizieren. Frei erfunden auch die Geschichte von einer Schülerin, die angeblich von Flüchtlingen entführt und vergewaltigt wurde. In dieser Angelegenheit intervenierte sogar der russische Außenminister (das Mädchen gehört zu einer russlanddeutschen Familie) und warf den Behörden vor, den Fall vertuschen zu wollen. Zudem gab es mehrere Demonstrationen „besorgter Eltern“.

Derweil beschließt die Bundesregierung, den Familiennachzug für Flüchtlinge einzuschränken. Auf der anderen Seite trompeten wirre Linke und Linksradikale nach wie vor ihre Forderung nach „offenen Grenzen und Bleiberecht für Alle“ durch die Gegend – ohne auf die Frage zu antworten, wie der Zuzug weiterer Millionen Menschen in relativ kurzer Zeit bewältigt werden könnte.

Vielleicht hilft der ja

Ein Diskurs zwischen den verschiedenen Lagern findet nicht mehr statt. Im Gegenteil: Alles wird zunehmend feindseliger und unversöhnlicher, und der Vormarsch der AfD, also einer für faschistisches Gedankengut sehr offenen Partei, geht ungebrochen weiter.

 Gute Laune macht das nicht, doch das schöne Wetter (go,Fahrrad,go) und sogar die Arbeit bieten ein wenig Zerstreuung. Und natürlich ein guter Wein, den ich zudem ganz alleine austrinken darf, weil den viele nicht mögen. In der Tat ist der Traminer 2014 von Horst Hummel alles andere als ein Mainstream-Wein. Gnadenlos durchgegoren, reduktiv ausgebaut, keine schmeckbare Restsüße, knackige, obwohl moderate Säure – aber dennoch feine, typische – wenn auch knochentrockene – Traminerfrucht nebst ein wenig Zitrusschalen und Kräuternoten – und einem betörenden Schwall Rosenwasser in der Nase. Bestimmt nicht jedermanns (oder -fraus) Sache, dafür aber ein wertvoller Beitrag für die Interpretationspalette dieser Rebsorte. Also unbedingt probieren!

Es lebe die PARTEI

In Berlin-Moabit leuchtet das Morgenrot der neuen Zeit. Am Freitag nominierte die PARTEI auf ihrer Bezirksversammlung im „Kaffee Klatsch“ die besten Söhne und Töchter der Moabiter Arbeiterklasse als Direktkandidaten für die sieben Wahlkreise sowie weitere verdiente Kämpfer für die Bezirksverordnetenversammlung (BVV)in Berlin-Mitte, also eigentlich Moabit, obwohl dem Bezirk vor einigen Jahren auch noch versiffte Randzonen wie Alt-Mitte (Osten!) und Wedding zugeschlagen wurden. Jetzt müssen wir nur noch das Stimmvieh, also den Wähler, mit hohlen Parolen und leeren Versprechen dazu bringen, das Kreuz im September an der richtigen Stelle zu machen. Angesichts der sensationellen Aufbruchstimmung bei der Versammlung dürfte das kein Problem sein, wir haben unser Wahlziel (100% plus x) fest im Blick.

Auch ich werde in dieser historischen Situation nicht abseits stehen und meinen Beitrag als Spitzenkandidat für die BVV Mitte leisten. Mit Bündnispartnern wie MOGÜDO (Moabit gegen die Überhundung des Ottoparks) und DORAMO (Dornfelder raus aus Moabit) werden wir ab sofort die zentrale Botschaft verbreiten: Wählt die PARTEI, denn sie ist sehr gut!

Halleluja oder Helau?

Gleich macht der Chef die “Heilige Pforte” auf

Nein, ich bin nicht erleuchtet. Zwar habe ich heute die „Heilige Pforte“ durchschritten, die in der Paulus-Gemeinde bei mir um die Ecke in Berlin-Moabit anläßlich des „Jahres der Barmherzigkeit“ geöffnet wurde, aber die vom anlässlich dieses Events anwesenden Erzbischof Koch avisierte „Versöhnung mit Gott“ fand irgendwie nicht statt.

Dahinter winkt Erleuchtung…

Ohnehin wirkte das Ganze auf mich eher wie ein Kostümfest. Der lustig gewandete Bischof wechselte während seiner kurzen Showeinlage mehrmals Kopfbedeckung und Umhang und hantierte mit diversen merkwürdigen Gegenständen ohne erkennbaren Nutzwert. Auch sein Tross erinnerte an karnevalistische Umzüge. Für das „Jahr der Barmherzigkeit“ offeriert das zuständige Eventmanagement in Rom Gläubigen sogar einen „Jubiläumsablass“, wenn sie „Bußwerke vollbringen“ und „Brüder und Schwester, die sich in Not oder Schwierigkeiten befinden, besuchen und dabei gleichsam zu Jesus pilgern“.

Knapp 1000 Leute hatten sich zu dieser Katholen-Sause eingefunden. Das Rahmenprogramm war allerdings enttäuschend – keine Orgel, kein schmetternder Chor, sondern nur beten und verhaltene Gesänge. Und auf dem Kirchhof gab’s nur Glühwein, der noch dazu so fürchterlich roch, dass ich mir eine Probe verkniffen habe.

… und es gibt sogar einen “Jubiläumsablass” zu gewinnen.

Nun ist das in einer Großstadt wie Berlin wahrlich nicht der einzige obskurantische Mummenschanz auf dem Partykalender. Und immerhin hat Moabit die einzige „Heilige Pforte“ (bei der es sich um einen Nebeneingang der Kirche handelt) der Hauptstadt zu bieten. Ein Jahr lang wird sie an drei Tagen in der Woche für einige Stunden geöffnet sein, es werden zahlreiche Pilger erwartet. Und das ist eigentlich das Einzige was mir Sorgen macht, denn was wir in Moabit nun wirklich nicht brauchen, sind Scharen frömmelnder Pilger, noch dazu vor meiner Haustür.

Ich war ALDI

Am Sonnabend führte mich der erste Weg des Tages zu ALDI. Wenn dort außerhalb des regulären Sortiments ein Wein namens „Genesi-Aglianico del Vulture DOC 2011“ angeboten wird, dann kann man für 6,99 Euro eigentlich nicht viel verkehrt machen. Was da auf vulkanischen Böden im recht kleinen (knapp 1500 Hektar) süditalienischen Qualitätsweingebiet Basilicata entsteht, ist aller Ehren wert, wenn auch das Label „Barolo des Südens“ etwas übertrieben erscheint. Die autochthone, spät reifende Sorte Aglianico entwickelt nicht nur eine satte Kirschfrucht, sondern nach Holzfassausbau und angemessener Reifezeit auch sehr feine Noten von dunklem Dörrobst, getrockneten Kräutern und ein wenig Rauch.

ALDI hin oder her: Das ist großer Trinkspaß für wenig Geld.

Weiche Tannine und eine fast noch kühle, aber bereits recht gut eingebundene Säure runden den Trinkspaß ab. Und wenn es dieses recht seltene Zeugs halt mal bei ALDI gibt, dann geh ich eben ALDI , wie der (Neu)Berliner sagt. Und jetzt können die Weinautisten unter meinen Lesern wegklicken, denn jetzt geht es um wichtige Themen.

Nach der Erledigung weiterer Einkäufe (natürlich nicht bei ALDI) ging es weiter, zum großen Klassentreffen der Kritiker der industrialisierten Landwirtschaft bzw. Massentierhaltung. Und natürlich gegen TTIP und Gentechnik. Die versammeln sich immer anlässlich der Grünen Woche in Berlin, machen eine lustige Demo mit vielen Traktoren durch die Innenstadt, hören sich die zwar immer gleichen, aber dennoch richtigen Parolen an. Alles ist inzwischen ziemlich professionell organisiert, mit Rahmenprogramm und Bio-Ess-Events, u.a. in der hippen Kreuzberger Markthalle Neun, und die Abschlusskundgebung vor dem Kanzleramt ist ebenfalls eine veritable Party.

Der Mann hat sowas von Recht.

Alles ganz sinnvoll und vergnüglich, wenn dort nicht auch esoterische Tierschützer und allerlei Veganer-Vollpfosten ihr Unwesen treiben würden. Wie zum Beispiel Probehäppchen von denaturierter, gepresster Sojapampe als „Veggie-Würstchen“ verteilen, in den Geschmacksrichtungen „Rostbrätel“ und „Debreziner“. Schmeckte erwartungsgemäß grauenvoll. Aber The Show must go on, auch auf der Grünen Woche, der größten öffentlichen Lebensmittelschau der Welt und gleichzeitig wichtigste Propagandaveranstaltung der agrarindustriellen Mafia. Die Messe hat diesmal zynischerweise das Schwerpunktthema „artgerechte Tierhaltung“. Das erläutern einem diejenigen, die sich weder für gigantische Gülleeinleitung, noch für Antibiotokaresistenzen interessieren und billigend in Kauf nehmen, dass durch hochproduktive, subventionierte Fleischproduktion und deren Export ganze Volkswirtschaften in Afrika nachhaltig ruiniert werden. Manchmal hat man dann doch Lust, bestimmten Leuten einfach mal kommentarlos in die Fresse zu hauen.

 

Einkaufen mit David Bowie

Manchmal braucht es eine Initialzündung, um einen Plan endlich zu verwirklichen. In diesem Falle war es die Meldung vom Tod David Bowies, die mich trotz Schmuddelwetter mit dem Fahrrad aufbrechen ließ, um endlich einen Plattenspieler zu kaufen, da mein alter Thorens vor einigen Monaten endgültig seinen Geist aufgegeben hatte. Denn „Space Oddity“ („Major Tom“ und so) und eine weitere LP namens „Rare Bowie“ habe ich nur in analoger Form, und ich wollte sie an diesem Tag unbedingt hören, vor allem die deutsch-englische Fassung von „Heroes“.

Ich war nie ein wirklicher Bowie-Fan, fand es aber immer wieder spannend, wie sich diese Pop-Ikone über Jahrzehnte hinweg immer wieder neu erfand. Zwei Mal habe ich ihn live erlebt, einmal als Rock’n’ Roller, einmal als abgedrehten Pop-Avantgardisten. Aber wenn andere mir mit leuchtenden Augen erzählten, dass sie IHN tatsächlich in einer Kneipe oder einer Disco gesehen oder gar mit ihm gesprochen haben (Bowie lebte und arbeitete von 1976-78 in Berlin), ließ mich das einigermaßen kalt. Doch jetzt fehlt er mindestens genauso sehr wie Lou Reed .

Was bleibt? Im Juli die vielleicht letzte Gelegenheit wahrnehmen, Neil Young live zu hören. Denn die Helden meiner Jugend und der darauf folgenden Jahrzehnte verabschieden sich (leider) in immer schnellerer Taktfrequenz. Aber jetzt erst mal Abschied von „Major Tom“.

„Kölner Thesen“ eines grübelnden „Gutmenschen“

1.) Die Vorfälle in der Kölner Silvesternacht sind in erster Linie als umfassendes staatliches Versagen zu betrachten. Weder wurde die sich über Stunden aufschaukelnde Lage im und am Hauptbahnhof richtig eingeschätzt, noch waren die Einsatzkräfte in der Lage, die anwesenden Menschen vor Raubtaten und sexuellen Übergriffen zu schützen und Straftäter dingfest zu machen.

2.) Die Informationspolitik der Kölner Polizei war eine Katastrophe, auch die meisten Medien haben sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert und den „Lügenpresse“-Schreiern reichlich Munition gegeben, indem sie Erkenntnisse über Herkunft und Status der Verdächtigen verschwiegen bzw. verschleierten.

3.) Mit dem reflexartigen Ruf nach „schärferen Gesetzen“ und „schnelleren Abschiebungen“ werden die Opfer verhöhnt und der rassistische Bodensatz unserer Gesellschaft gefüttert. Asyl- und Strafrecht sowie die Genfer Flüchtlingskonvention bieten ausreichende Handhaben, um gegen kriminelle Migranten vorzugehen. Das Völkerrecht verbietet aber Rückführungen in Kriegsgebiete sowie Abschiebungen in Länder, in denen den Betroffenen Tod oder Folter drohen. Zudem ist es in vielen Fällen kaum möglich, gültige Reisedokumente für eine Abschiebung zu beschaffen. In diesen Fällen bleibt nur die Verbüßung der Strafen in deutschen Haftanstalten – natürlich mit der Option einer Abschiebung für den Fall , dass die Möglichkeiten und Voraussetzungen dafür vorliegen..

4.) Der häufig geäußerte Hinweis, dass sexuelle Übergriffe auch in der christlich geprägten deutschen Mehrheitsgesellschaft an der Tagesordnung sind, ist richtig, hilft aber nur bedingt weiter. Es ist unbestreitbar, dass (auch) viele Flüchtlinge von soziokulturellen Vorstellungen geprägt sind, die mit in Deutschland verankerten zivilisatorischen Grundwerten nicht vereinbar sind. Dabei geht es nicht um irgendeine „Leitkultur“, sondern schlicht um Normen, die beispielsweise im Grundgesetz , im Straf- und im Bürgerlichen Gesetzbuch verankert sind.

5.) Die Akzeptanz der Grundwerte, zu denen auch die Gleichberechtigung von Frauen gehört, muss ohne jeglichen Toleranzspielraum durchgesetzt werden. Das beginnt nicht bei bandenmäßigen Raubtaten und sexuellen Übergriffen, sondern bei der Durchsetzung des säkularen Rechts gegen religiöse Gebote, die eindeutig im Widerspruch zu diesen Normen stehen. Es gibt z.B. keinen Grund muslimischen Eltern einzuräumen, ihre Töchter vom Sport- und Biologieunterricht fern zu halten. Menschen, die den hiesigen Zivilisationskodex anhaltend verweigern, sollten im Rahmen der geltenden Gesetze sanktioniert werden. Das beinhaltet im Falle von Nichtdeutschen auch aufenthaltsbeendende Maßnahmen. Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, stößt aber in einigen linken Kreisen auf Unverständnis.

6.) Das Asylrecht und die Anwendung der Genfer Flüchtlingskonvention haben nichts, aber auch gar nichts mit den Vorfällen in Köln zu tun. Beides muss ohne Wenn und Aber gegen den rassistischen Bodensatz und seine Apologeten in den großen Parteien verteidigt werden. Zu besagtem Staatsversagen gehört aber auch, dass es an Integrationsangeboten – vom Sprachkurs bis zur Gesellschaftskunde, von Bildungsangeboten bis zu Arbeitsmöglichkeiten – mangelt. Das rechtfertigt oder relativiert in keiner Weise die Kölner Vorfälle oder andere katastrophale Begleiterscheinungen der Migration in Deutschland. Aber wer – wie die Bundesregierung – die Grenzen öffnet und binnen Jahresfrist über eine Million Flüchtlinge ins Land lässt, muss auch dafür sorgen, dass diese Menschen eine Chance auf ein menschenwürdiges Leben und angemessene Teilhabe in unserer Gesellschaft haben. Und davon sind wir meilenweit entfernt.

7.) Zur Wahrheit gehört aber auch, dass eine unregulierte Migration in der Größenordnung von 2015 auf Dauer nicht zu vertreten ist. Dabei geht es nicht um „Überfremdung“ und auch nicht um den Islam (obwohl dessen dringend notwendige Säkularisierung eine zentrale und schwierige Aufgabe ist). Sondern um verfügbare und mobilisierbare Ressourcen für die Eingliederung (und nicht notdürftige Unterbringung) der Flüchtlinge. Diese sind objektiv begrenzt. Es droht ein mörderischer Verteilungskampf zwischen den ärmeren Teilen der bereits in Deutschland Ansässigen und den Zuzüglern, u.a. um Jobs, Wohnungen und Bildungszugänge. Es muss dringend darüber geredet werden, wie eine Begrenzung der Flüchtlingsmigration nach Deutschland unter strikter Beachtung des Asylrechts, der Genfer Flüchtlingskonvention und allgemeiner humanitärer Prinzipien aussehen könnte. Abstrakte „Obergrenzen“ und „Kontingente“ sind da wenig realitätstauglich und fungieren eher als politische Kampfbegriffe. Die einseitige Schließung der Grenzen würde nur eine Kettenreaktion auslösen, die dann in den Ausgangsländern Italien und Griechenland endet. Eine Lösung ist nur auf europäischer bzw. EU-Ebene unter Einbeziehung der Anrainerstaaten der Hauptmigrationsgebiete denkbar

8.) Wie bereits gesagt: Mit Köln hat das alles wenig bis nichts zu tun. Aber ein Anlass, die aufgeworfenen Fragen ernsthaft zu diskutieren, ist Köln allemal.

Im Dezember erschien in der edition berolina mein Buch „Faktencheck Flüchtlinge – Was kommt auf Deutschland noch zu“

Mit Weißwein gegen Wahnsinn

Vor genau einem Jahr haben Terroristen in Paris die Redaktion der Zeitschrift Charlie Hebdo massakriert. Das ist offenbar ein Grund zum Feiern, denn pünktlich zum Jahrestag attackierte ein Gesinnungsfreund „Allah ist groß“ rufend, mit einer Bombenattrappe ausgestattet sowie mit einem Hackmesser bewaffnet, Polizisten vor einem Pariser Polizeirevier. Glücklicherweise wurde er schleunigst erschossen.

Doch auch in Deutschland gibt’s Stimmung. In der Silvesternacht versammelte sich in Köln ein krimineller Mob, der systematisch Frauen sexuell terrorisierte und bestahl. Laut übereinstimmenden Zeugenaussagen soll es sich vor allem um Männer nordafrikanischer und arabischer Herkunft gehandelt haben. Die Polizei – immerhin mit über 300 Einsatzkräften vor Ort – räumt ein, vollkommen hilflos gewesen zu sein.

Ein paar Tage danach wurden Schüsse aus einer scharfen Waffe auf eine Flüchtlingsunterkunft im hessischen Dreieich abgegeben, ein syrischer Bewohner wurde verletzt. Vor dem Berliner LaGeSo warten täglich Flüchtlinge ohne Winterkleidung in klirrender Kälte verzweifelt darauf, endlich in das Amt eingelassen zu werden, denn wer nicht mitten in der Nacht bereits ansteht, hat trotz erfolgter Terminzusage keine Chance. Es gab bereits schwere Erfrierungen.

In der belagerten syrischen Stadt Madaya droht eine verheerende Hungersnot. Im bayrischen Wildbad Kreuth klopfen sich derweil der bayrische Ministerpräsident Seehofer und der britische Premierminister Cameron auf die Schultern und besiegeln ihr „Bündnis für Abschottung“. Plötzlich fällt fast jedem Politiker in Deutschland ein, dass man schwere Straftäter unter den Flüchtlingen auch schnell ausweisen könnte. Zu den wenigen, die noch einigermaßen bei Verstand und in der Lage sind, sich vernünftig zu äußern, gehört – wie so oft – Heribert Prantl  in der Süddeutschen Zeitung

Hilft gegen Durst und Terror-Depression: Xarel lo aus Penèdes

Irgendwie passt das alles beängstigend gut zusammen, und ich weiß auch nicht, wie das alles weitergehen soll. Wenigstens habe ich einen lustigen Weißwein entdeckt. Der Bio-Betrieb Albet i Noya hat so eine Art katalanische Antwort auf Elbling parat. Ein junger (2014) spritziger, frischer, leichter Weisswein aus der autochthonen Sorte Xarel lo mit anständigem „Säurekick“. Wiesenblumen in der Nase, reichlich Zitrusfrucht und eine dezente Kräuternote am Gaumen. Der Wein schreit nahezu nach Austern, Muscheln oder Garnelen. Gibt’s für knapp acht Euro in diversen Internetshops und in der Bio Company (jedenfalls in meiner Filiale)

Eh ich es vergesse: Wer schon immer geglaubt hat, dass die meisten Deutschen nicht richtig ticken, sollte sich den „Ernährungsreport 2016“ der Bundesregierung zu Gemüte führen. Habe dieses Dokument des alltäglichen Schwachsinns genüsslich bei cicero.de seziert.

 

Unter falscher Flagge

Man muss nicht vor Ehrfurcht erstarren, wenn auf dem Esstisch des Gastgebers plötzlich eine Magnumflasche eines berühmten Erzeugers steht. Aber ein paar freudige Erwartungen waren durchaus angebracht, denn schließlich zählen die Rieslinge vom noblen VDP-Winzer Ernst Loosen aus Bernkastel zur nationalen Spitze und auch international zu den erfolgreichsten deutschen Top-Weinen.

Doch was da aus dem Glas mumpfte und dezent den Gaumen verklebte, war eher Mosel zum abgewöhnen. Aufdringlich süß, ohne anständiges Säurespiele und ohne jegliche Finesse kam diese laut Etikett feinherbe Riesling-„Privatreserve“ von Ernst Loosen daher.

Da lohnte dann doch ein Blick auf die Flasche und auf’s Kleingedruckte. Lagen- oder Ortsbezeichnung gibt’s nicht, also vielleicht ein Gutswein? Auch nicht, denn selbst dann müsste irgendwo der VDP-Adler zu sehen sein. Doch dann die Lösung: Recht kleingedruckt steht da geschrieben: „Abfüller: Gebr. Loosen GmbH“ mit Sitz in einem Wittlicher Industriegebiet. Der Wein stamme aus „besten Mosel-Weinbergen“ und werde nur in begrenzter Menge produziert wird versichert.Hat man irgendwo schonmal gehört.

Alles Loosen oder was?

Also keine Gutsabfüllung sondern ein Kellereiwein aus zugekauften Trauben, für einen Großkunden und -vertreiber mit einer bestimmten Aufmachung versehen („Privatreserve“) und „streng limitiert“ gar in einer Magnum-Flasche abgefüllt. Und natürlich mit dem großen Namen „Loosen“ werbend, im Internet mit direktem Hinweis auf das berühmte VDP-Weingut.

Dass er nicht schmeckt, ist die eine Sache und nicht besonders bemerkenswert. Schließlich schmecken die meisten Weine, die es im Handel gibt, nicht besonders. Aber das dieser müde Süßwässerchen-Leichtmatrose unter stolzer Loosen-Flagge segelnd und entsprechend erstaunlich bepreist auf dem Weinmarkt umhergeistert, vedirbt den Appetit erst recht. Verboten ist das alles natürlich nicht, aber früher nannte man das wohl Rosstäuscherei. Wobei die Vorstellung, dass dieser Wein im Hause des renommierten Winzers Ernst Loosen in Bernkastel den Status einer „Privatreserve“ haben könnte, schon was Belustigendes hat.