Durchgepustet

Das haben wir gebraucht. Eine kleine Ferienwohnung unterm Dach mit Blick auf die Nordsee, heftig durchpustern lassen auf dem Deich und im Wattenmeer, kilometerweit nur blökende Schafe, das beeindruckende Wechselspiel der Gezeiten, bizarre Wolkenformationen und spektakuläre Sonnenuntergänge. Dazu frische Krabben am Hafen und abends frischer Fisch oder Salzwiesenlamm im erstaunlich guten Restaurant „Zur Nordsee“direkt am Deich in Norderhafen.

Im Watt gibt es kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung

Nordstrand ist eine ruhige, dünn besiedelte Halbinsel nahe Husum ohne nervigen touristischen Schnickschnack, obwohl ein Großteil der Bewohner von den Feriengästen lebt. Leben muss, sollte man sagen, denn der Fischfang spielt hier kaum noch eine Rolle, wenn man mal von dem einzigen hauptberuflichen Krabbenfischer absieht. Doch mit den schwimmenden Fischfabriken und Riesentrawlern können die Küstefischer schon lange nicht mehr konkurrieren. In vielen Restaurants werden Schollen, Seelachs, Seezungen, Rotbarsch, Makrelen etc. angeboten, doch sie kommen aus Dänemark oder vom Kieler Fischgroßmarkt – was der Frische und Qualität aber keineswegs abträglich ist. Auch ohne kommerzielle Küstenfischerei bleiben Nordstrand und die vorgelagerten Inseln und Halligen Fischparadiese.

Den alltäglichen Wahnsinn kann man hier trotz TV und Internetanschluss für ein paar Tage ein bisschen beiseite drängen . Randalierender Abschaum in Heidenau, Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte, 71 erstickte Flüchtlinge in einem LKW in Österreich und das zynische Politikergebrabbel dazu wirken wie Nachrichten aus einer anderen Welt. Auf Nordstrand gibt es keine Flüchtlingsunterkünfte, und ich möchte lieber gar nicht so genau wissen, wie so manch Inselbewohner auf entsprechende Pläne reagieren würde. Hier regiert der „Blanke Hans“, wie die Nordsee genannt wird, und nur mit aufwändige Deichbauten hat Nordstrand eine Chance, dem Klimawandel wenigstens eine Zeitlang zu trotzen. Auch derzeit wird der äußere Deich in einigen Abschnitten wieder modernisiert und erhöht.

Es sind manchmal ganz kleine Episoden, die von so einem Urlaub haften bleiben. Da wäre der Zugführer, der sich auf der Rückfahrt von Husum nach Itzehoe mit den Worten „Danke, dass sie noch mit der Bahn gefahren sind“ verabschiedet. Er hat tatsächlich „noch“ gesagt, was einiges über das angekratzte Selbstbewusstsein der Eisenbahner aussagt. Auch die Fahrt im ICE von Hamburg nach Berlin werde ich so schnell nicht vergessen. Denn die Verpackung meiner im Husumer Kutterhafen erstandenen, mit Eiswürfeln gekühlten Krabben erwies sich als unzureichend. Dies stellte sich heraus, als sich ein kleines Rinnsal Krabbenwasser aus meinem Rucksack von der Gepäckablage auf meine Sitznachbarin ergoss. Dankenswerterweise reagierte sie darauf mit Humor und nahezu buddhistischer Gelassenheit – ein sicherlich äußerst seltener Glücksfall, denn wer lässt sich während einer Zugfahrt schon gerne mit fischiger Brühe beträufeln. Später sorgten Rucksack samt Jacke dafür, dass auch die Fahrgäste im Bus, der mich vom Bahnhof nach Hause brachte, sowie die Kunden in dem Supermarkt, in dem ich noch ein paar Einkäufe erledigen musste, ziemlich einfach bestimmen konnten, wo ich gerade herkomme. Nichtsdestotrotz habe ich die Krabben später auf meinem Balkon meditativ gepult und den Schalensud zu einem köstlichen Fonds eingeköchelt, bevor ich mich an die gründliche Reinigung meiner kontaminierten Utensilien machte.

Jetzt bin ich wieder hier – und es ist nicht wirklich schön. Es ist drückend heiß in Berlin und es weht kein Lüftchen. An der Spree ist die Hölle los, die Untertanen dürfen sich die Räumlichkeiten des Kanzleramtes und einiger Ministerien anschauen, und jeder hofft wohl, zu den Seligen zu gehören, die gar einen Händedruck von Mutti oder einem leibhaftigen Minister abgreifen können. Ein paar hundert Meter weiter campieren Flüchtlinge in den Moabiter Grünanlagen, die warten müssen, bis ihnen die nahe gelegene zentrale Aufnahmestelle vielleicht am Montag eine Unterkunft zuweist. Denen schütteln Mutti und ihre Minister bestimmt nicht die Hände.

Ich merke schon, ich bin auch mental wieder hier. Aber die erholsame Woche in Nordfriesland kann mir niemand mehr wegnehmen.

Warum ich kein Geld für Flüchtlinge gespendet habe

An einem eher trüben Tag, der sich mit zähflüssigen Recherchen zur Arbeitszeitdebatte in den Spartengewerkschaften auch recht dröge anließ, kann man positive Überraschungen ganz gut gebrauchen. Wie z.B. ein komplett vergessenes Honorar, das plötzlich auf meinem Konto auftauchte. Keine Summe für lang anhaltende Freudensprünge, aber immerhin genug, mal wieder über eine kleine Spende nachzudenken. Da würde es nahe liegen, die von mir angepeilten 50 Euro der mittlerweile überregional bekannten Initiative „Moabit hilft“ zukommen zu lassen, über die ich bereits berichtet habe. Denn die hat nicht nur dafür gesorgt, dass die skandalösen Zustände vor der für ganz Berlin zuständigen Erstaufnahmestelle für Flüchtlingen in Moabit einer breiten Öffentlichkeit zur Kenntnis gelangen und somit die Verantwortlichen zum Handeln gezwungen wurden. Die vielen ehrennamtlichen Helfer waren auch vor Ort und haben für die verzweifelten, erschöpften Menschen, die anfangs tagelang in der brütenden Hitze auf die Registrierung warten mussten, Essen und Trinken besorgt.

Doch derzeit ist „Moabit hilft“ everybodys darling, und das ist auch gut so. Aber kein Mensch spricht in Deutschland derzeit mehr von der humanitären Katastrophe in Griechenland, die durch die Spardiktate der EU ausgelöst wurde und sich weiter verschärfen wird, Schäuble sei Dank. Fast ein Drittel der Bevölkerung ist dort nicht mehr krankenversichert. Sie erhalten keine Medikamente, werden nicht operiert, die Kindersterblichkeit ist rapide gestiegen. Einige Ärzte haben ehrenamtlich Notfallambulanzen für diese Menschen aufgebaut und brauchen dringend Geld für Medikamente und andere Hilfsmittel

Ich sehe das ganz nüchtern und ohne Vorwurf: Auch die Empörungs- und Empathiewellen verlaufen anhand von Mainstream-Trends, und Griechenland ist da gerade „out“. Ich mag jetzt auch nicht darüber diskutieren, ob Alexis Tsipras die Griechen verraten hat. Ich habe einfach 50 Euro an der Berliner Forum Griechenlandhilfe überwiesen. Und die ersten drei, die mir folgen, bekommen von mir ein handsigniertes Exemplar von meinem 2. Buch („Der kulinarische Notfallkoffer“) zugeschickt. (bitte Nachricht an genussblog@email.de oder eine PN via facebook).

Einfach, billig und genial: Semmelknödel mit Wildschweinsoße.

Ansonsten habe ich jetzt eine weitere Bastion der “gehobenen Hausfrauenküche” im Sturm erobert. Auf den Tisch kommen heute meinen ersten selbst fabrizierten Semmelknödel. Ganz klassisch: Altes Brot, Milch, Eier, Butter, Petersilie, Salz, Pfeffer, Muskat. Als einzige Verfeinerung noch ein paar getrocknete (und natürlich dann aufweichte) Sandpilze aus meinem Garten. Hat auf Anhieb wunderbar geklappt und wird jetzt öfter passieren. Dazu ein eingefrorener Rest Wildschweinsoße und ein Sangiovese aus der Toskana, und man kann mal für einen Moment an was anderes als das allgegenwärtige Elend denken. Schließlich ist Genuss auch eine Form von mentaler Notwehr.

 

 

 

 

 

 

 

Tag des Datschisten (mit Bach und Elbling)

Warum nicht auch in Wandlitz den Tag mal mit einer Bach-Kantate beginnen. Ich hatte mich für „Herr, deine Augen sehen nach dem Glauben” (BWV 102) entschieden. Dazu ein kleines Frühstück auf der Terrasse, und dann ist es Zeit für ein Bad im See, bevor die Tagesausflügler aus Berlin kommen. Doch um halb neun hat man die kleinen Liegewiesen und Badebuchten noch ganz für sich alleine.

Badeidylle am Wandlitzsee, bevor die Massen kommen.

Danach beginnt die Arbeit des Datschisten: Bohnen ernten, Maulwurfshügel abtragen, Weinstöcke anbinden, Rasen mähen, wässern. Seit Wochen hat es hier nicht mehr anständig geregnet, zusammen mit der Hitze ist das eine harte Belastung für die Natur. Dennoch: Fürs Essen ist der Tisch hier reich gedeckt. Kartoffeln und Eier gibt’s beim örtlichen Biohof, mein Beet bietet derzeit Gurken, Tomaten, Bohnen, Kohl und alle erdenklichen Kräuter, um die Ecke wachsen Mirabellen und Wildpflaumen für den Nachtisch. Danach nochmal zum See, denn jetzt sind die Berliner wieder auf dem Heimweg.

Wenn die Sonne untergeht, wird es still, wenn nicht gerade in einem der Ortsteile von Wandlitz eines jener berüchtigten Dorffeste stattfindet. Dann allerdings trägt der Wind alten Ostrock und manchmal gar Helene Fischer auch in mein Idyll. Doch diesmal hab ich Glück gehabt. Um 22,30 hört man nur das Warnsignal der Regionalbahn, die sich dem drei Kilometer entfernten Bahnhof Wandlitzsee nähert, und manchmal fällt auch ein Schuss, der Ausgangspunkt für einen leckeren Reh- oder Wildschweinbraten war. Doch ansonsten nur Rascheln und Zirpen.

Das ist die Zeit für ein gutes, passendes Glas Wein auf der Terrasse, z.B. einen Elbling von Stefan Steinmetz. Natürlich könnte jeder entsprechend konditionierte Weinschreiber so Einiges in diesen Wein rein interpretieren. Ist da nicht ein wenig grüner Apfel? Oder Quitte? Hat er nicht dezente vegetabile Noten und eine Spur Limettenschale im Säureknack? Doch ich halte es da lieber mit dem Winzer. Angesichts des Klimawandels und des Weingeschwätzes sagt er über seinen Elbling: „Das ist ein Wein der Zukunft: Flasche aufmachen, Beine hochlegen, trinken und sich freuen, wie gut es einem geht“. Habe ich genau so probiert. Hat funktioniert.

Hier wird Deutsch gegessen!

Jetzt habe ich den Salat oder genauer gesagt den Kohl. Eine Meisterin der gehobenen Hausfrauenküche hatte im Frühjahr angeregt, auf meinem Wandlitzer Beet auch eine Reihe Spitzkohlsetzlinge zu pflanzen. Gesagt, getan – sie gediehen prächtig und sind jetzt reif.

Frisch aus meinem Wandlitzer Bio-Beet: Deutscher Spitzkohl

Doch was nun? Ich bin zwar in er Lage, Froschschenkel, Großgarnelen, Taschenkrebse, Zebrakeulen, Hamster, Gänsestopfleberterrinen und alle erdenklichen Fische fachgerecht und wohlschmeckend zuzubereiten und genieße auch einen gewissen Ruf in Bezug auf gelbe, grüne und rote Currys, aber so ein urdeutscher Kohl stürzt mich ins Grübeln. Von seinen geschmacklichen Qualitäten konnte ich mich schließlich bei besagter Meisterin der gehobenen Hausfrauenküche überzeugen, doch meine Ehre als ambitionierter Hobbykoch verlangt, selbst Hand anzulegen.

Zwei Varianten habe ich probiert – und dabei echte Bereicherungen meines Repertoires realisiert. Zunächst einen Eintopf: Den fein geschnittenen Kohl in Hühnerbrühe zusammen mit Langkornreis garen und das Ganze mit einer gut verquirlten Eier-Zitronen-Mischung binden. Dazu ein feinherber Riesling von der Saar. Bingo! Ein paar Tage später schließlich geschmorter Spitzkohl mit gebratener Blutwurst und Kartoffeln. Begleitet von einem (ausnahmsweise richtig guten) Trollinger Auch Bingo!

Fazit: Ein Hoch dem regionalen, saisonalen deutschen Kohlgemüse und dabei besonders dem Spitzkohl. Er wird auch im kommenden Jahr einen Ehrenplatz in meinem Beet erhalten. Gibt’s sonst noch was? Nö, es ist einfach zu heiß.

Auch so: Die Bundesliga fängt an und ihr wollt natürlich wissen, wie es ausgehen wird. Wolfsburg wird Meister, vor Bayern und Schalke. Darmstadt, Hertha und der HSVsteigen ab (diesmal wirklich und zwar in der Relegation gegen Freiburg).

Wollen wir wirklich teilen?

Die Hitze macht viele anscheinend „malle im Kopp“ wie der Berliner sagt. Meistens ist das nicht so schlimm. Doch man muss sich schon wundern, wenn ein linientreuer kommunistischer Wissenschaftler in meiner Kiezkneipe einen ausgibt, weil der Fleisch gewordene massenkulturelle Alptraum Helene Fischer ihren Geburtstag hat. Oder wenn in besagter Kneipe an selbigem Tag extrem saure und zähe „Bismarkfilets“ serviert werden, die selbst bei den anwesenden Geschmacksprimaten den Ruf nach der Geschmackspolizei laut werden ließen.

Auch den verholzte Cote du Rhone, den der trotzkistische Bürokrat am Wochenende zum Wandlitzer Grillgelage beisteuerte, kann unter der Rubrik „zu befürchtende Geschmacksverirrung“ verbucht werden. Und dass es auch mit dem nächsten angekündigten Termin für die Eröffnung des neuen Berliner Flughafens (Ende 2017) wohl nichts werden wird, ist eher unter „spezieller Berliner Humor“ einzuordnen.

Überhaupt nicht lustig ist dagegen der hilflose bis menschenverachtende Umgang mit den vielen und stetig mehr werdenden Flüchtlingen, die nach Berlin (und anderswo) kommen. Anscheinend hat niemand einen Plan. Die im linken bis linksradikalen Spektrum gerne verbreitete Losung von den „offenen Grenzen“ und dem „Bleiberecht für Alle“ klingt zwar ausgesprochen weltoffen und humanistisch, ist aber in der Konsequenz das genaue Gegenteil. Darüber mag in diesen Kreisen aber kaum jemand offen reden. Auf der anderen Seite werden liberal verbrämte bis offen reaktionäre Abschottungsmodelle diskutiert, statt erst Mal eine vernünftige Infrastruktur für die Betreuung, Beratung und Unterbringung der Flüchtlinge zu sorgen. Wer beispielsweise angesichts der Verfolgung von Sinti und Roma in diesen Ländern die Idee propagiert, Albanien, das Kosovo und Montenegro pauschal als „sichere Staaten“ einzustufen, ist ein Verbrecher oder hat sie nicht mehr alle. Preisfrage: Was trifft auf Winfried Kretschmann, den grünen Ministerpräsidenten von Baden Württemberg, zu?

Egal wie es genau weiter geht: Die globalen Flüchtlingsströme werden Deutschland und Europa nachhaltig verändern. Zum Jammern gibt es keinen Grund: Deutschland und seine Verbündeten haben diese Flüchtlingsströme mit ihrer Außen- und Wirtschaftspolitik, aber auch durch unsere Konsumgewohnheiten unmittelbar generiert. Jetzt muss ich die Gesellschaft darüber verständigen, wie damit umzugehen ist. Und dabei geht es beileibe nicht um große abstrakte Diskurse sondern um das Wie und Was, hier, heute und konkret. Denn sie sind da und es werden immer mehr. Sie beanspruchen Ressourcen, die wir im Prinzip haben, wenn auch nicht unbegrenzt: Geld, Platz, Arbeit, Ausbildung, medizinische Versorgung, aber auch Immaterielles wie Empathie, Akzeptanz und Perspektive Aber wollen wir wirklich teilen? Und wenn ja, wie viel? Doch diese Fragen hat unsere Mehrheitsgesellschaft bereits im Umgang mit der „autochthonen Armut“ auf ähnlich deprimierende Weise beantwortet, wie beim Umgang mit den „faulen Griechen“.

Es wird sich jedenfalls zuspitzen, weil sich keiner mehr wegducken kann. Und das ist trotz aller Komplexität und allen Unwägbarkeiten auch kein Grund für Panik oder Trübsal, sondern eine riesige Chance für uns alle. In diesem Sinne jetzt erst Mal Schluss mit dem Thema. Auf mich warten schließlich ein Salat und eine Süßspeise aus selbst geernteten Gurken, Tomaten und Zwiebeln bzw. Wildpflaumen. Und später noch ein unverholzter italienischer Rotwein.

Berlin-Moabit und der Rest der Welt

Es war eine fast schon unwirkliche Idylle am Sonntagnachmittag im Nachbarschaftsheim “Stadtschloss” in Berlin-Moabit. Auf dem Hof war ein langer Tisch für die Flüchtlinge aus Afghanistan, Syrien und dem Irak gedeckt, die dort kurzfristig Unterschlupf gefunden hatten, weil das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) nicht mehr in der Lage ist, die ankommenden Menschen zu registrieren und auf die vorhandenen Unterkünfte zu verteilen. Es hatte für einigen Aufruhr gesorgt, dass den Flüchtlingen dort nur Blanko-Gutscheine für Hostels in die Hand gedrückt wurden – ohne Hinweis darauf, wo sich diese befinden. Und diejenigen, die das Glück hatten ein Hostel zu finden, wurden größtenteils abgewiesen, da das Land Berlin die Rechnungen für diese Gutscheine teilweise über Monate nicht beglichen hat. Hunderte von teilweise schwer traumatisierten und vollkommen erschöpften Menschen wurden in der Hauptstadt eines der reichsten Länder der Welt mit Obdachlosigkeit empfangen.

Doch im “Stadtschluss” brutzelte der Grill für einen Berg marinierter Hühnerkeulen, die nebst diversen Salatren aufgetischt wurden. Ein benachbarter Friseur bot den Flüchtlingen kostenlose Haarschnitte an, vorher war man gemeinsam mit den vielen freiwilligen Helfern ins Freibad Plötzensee gegangen. Immerhin: Das ist – anders als in Sachsen – in den zivilisierten Teilen Berlins ohne Gefahr für Leib und Leben der Flüchtlinge möglich. Und die Bereitschaft zu Sachspenden – von Kleidung über Lebensmittel bis hin zu Hygieneartikeln – ist enorm – sowohl bei Anwohnern, als auch bei Einzelhändlern.

Doch auch Moabit ist keine Insel der glückseligen Willkommenskultur. Vor dem LaGeSo im inneren Bereich des alten Krankenhausgeländes an der Turmstraße sieht man am Montag nachmittag erneut hunderte von Menschen teilweise verzweifelt. teilweise fast schon apathisch auf Einlass warten. Erneut werden voraussichtlich viele keine Bleibe für die nächste Nacht finden und auf den Rasenflächen vor dem LaGeSo oder in den nahe gelegenen Parks campieren. Die Erstaufnahmeeinrichtungen und Sammelunterkünfte platzen nicht nur in Berlin-MItte aus allen Nähten. Die meisten Flüchtlinge haben nur eine zerschlissene Reisetasche oder ein paar Plastiktüten bei sich, ihr “Startkapital” für ein Leben in Sicherheit.

Diese Eindrücke sind schwer zu verarbeiten. Vor allem wenn sich nur ein paar Straßen weiter am Berliner Hauptbahnhof wie jeden Montagabend Rassisten und Nazis versammeln, um gegen “Überfremdung” und für “deutsche Identität” zu demonstrieren. Ihnen stellen sich stets Gegendemonstranten entgegen. Manchmal gelang es dem rechten Gesockse – geschützt von der Polizei – durch Teile des Moabiter Kiezes zu marschieren, diesmal hatten sie andere Pläne und bewegten sich Richtung Brandenburger Tor.

Derweil sucht die offizielle Politik – wie schon zu “rot-grünen” Zeiten – nach einem neuen Abschottungskonsens. Mit spezieller Repression gegen “Wirtschaftsflüchtlinge” aus den Balkanstaaten, schnelleren Asylverfahren und “konsequenten Abschiebungen” soll Dampf aus dem rechtspopulistischen Kessel gelassen werden, der in Deutschland wieder mächtig am Brodeln ist. Mutti will schließlich erneut kandidieren und hat diesmal gar die absolute Mehrheit im Visier, was angesichts einer als programmatisch eigenständigen politischen Kraft nicht mehr existenten SPD gar nicht so unrealistisch ist, falls es gelingt, der AFD mit “Rassismus light” genug Wind aus den Segeln zu nehmen.

Doch es geht nicht nur um den rassistischen Bodensatz der Gesellschaft. Es geht um den von Verlustängsten geprägten Mittelstand, der vielleicht noch ein Weilchen ein paar alte Klamotten und Spielsachen zu spenden bereit ist, aber dem Flüchtlingsstrom dennoch mit einer Mischung aus Ignoranz, Angst  und verschämter Ablehnung begegnet. Es sind jene Menschen, die als CDU-, Grünen- oder SPD-Wähler die neoliberale Verarmungspolitik ebenso goutiert haben, wie die deutsche Kriegsbeteiligung auf dem Balkan und in Afghanistan – deren Spätfolgen wir jetzt in Form von Flüchtlingen erleben können. Und gerade sind “wir” dabei, einen weiteren Exodus zu forcieren, weil dem türkischen NATO-Partner erlaubt wird, den Terrorkrieg gegen kurdische ZIvilisten wieder anzufachen. Und die massenhafte soziale Verelendung, die “unser” Finanzminister Schäuble zur Vorbedingung für weitere Griechenland-Hilfen gemacht hat ist auch solide mehrheitsfähig in Deutschland.

Stimmt nicht, wir sind viel zu wenig.
Quelle: www.berlin-gegen-nazis.de

Es könnte bald kippen. Immer mehr Flüchtlinge bedeuten immer mehr “Störung” des eigenen Lebensumfelds. Zumal nicht dankbare “edle Wilde” bei und ankommen, die ihre mitunter menschenunwürdige Behandlung ausnahmslos klaglos und apathisch hinnehmen werden. Viele haben nichts mehr zu verlieren, und wenn man ihnen nichts gibt, werden sie es sich nehmen. Wer die vergangenen Jahre im Krieg und im Chaos verbracht und teilweise unfassbare Strapazen auf seiner Flucht erlebt hat, wird nicht nach dem ersten Teller Suppe und dem ersten Feldbett in einer Turnhalle unsere Spielregeln verinnerlichen. Um diesen Menschen wirklich zu helfen, bei uns anzukommen, müssten enorme materielle und soziale Ressourcen mobilisiert werden Doch wie wird eine “Zivilgesellschaft”, die die soziale Ausgrenzung von Millionen hier bereits lebenden Menschen – vom Kind aus Hartz-IV-Familien bis zum Armutsrentner – schulterzuckend hinnimmt, mit der ungleich größeren Herausforderung globaler Flüchtlingsströme umgehen? Was ist eine “Europäische Union” wert, die zulässt, dass in einem Mitgliedsstaat sogar Notoperationen nur noch gegen Vorkasse vorgenommen werden? Die zulässt, dass andere Mitgliedsstaaten sich schlicht weigern, sich adäquat an der Aufnahme von Flüchtlingen zu beteiligen? Was ist eine “Demokratie” wert, die gerade dabei ist, sich mit einem Freihandelsabkommen abzuschaffen? Wie lange wird der zivilisatorische Lack noch den hässlichen, empathiefreien Kern verdecken können?

Dem völkischen Mob kann man auf die Fresse hauen, direkt und im übertragenen Sinne. Der schweigenden staatstragenden Mehrheit aber nicht. Und genau das macht mir Angst und macht mich hilflos.

Vergesst Kreuzberg: Der Flammkuchenhammer hängt in Moabit

Man kann von der halbgentrifizierten Moabiter Markthalle halten was man will, aber flammkuchentechnisch hängt dort seit einigen Tagen der Hammer, jedenfalls Berlin betreffend. Während in einschlägigen Kreisen noch immer die belegten Teigfladen Elsässer Art im Kreuzberger Szene-Touristen-Tempel „Kuchen-Kaiser“ höchste Wertschätzung genießen, wird bei „Rosa Lisbertdemonstriert, wie es eigentlich sein sollte.

Ohne ordentlich Power im Ofen wird das nichts

Ein klassischer Elsässer Flammkuchen ist eigentlich eine Art Fastfood, die einst von Pizza-sozialisierten italienischen Arbeitsmigranten ins Elsass eingeführt wurde und dort im Laufe der Zeit seine regionaltypische Prägung erhielt. In Moabit wird dies auf höchstem Niveau zelebriert. Drei Minuten dauert die Zubereitung: Hefeteigball (200 Gramm) in die Teigpresse, die einen millimeterdünnen Fladen ausspuckt. Der wird quadratisch zugeschnitten, mit Schmand bestrichen, sowie (in der klassischen Variante) mit Zwiebeln und Speck belegt und ab damit in den Ofen. Bei Rosa Lisbert ist dies ein aufwändig gemauertes Unikat, das mit Buchenholz beheizt wird und Temperaturen bis zu 450 Grad entwickelt. Wichtig ist, das die Flammen stets ein wenig um den Fladen züngeln. Anschließend kommt dieses kross-knusprige Leckerli auf einem Holzbrett serviert auf den Tisch. Wer schon mal das „Vergnügen“ hatte, eines der üblichen pappigen, suboptimal belegten Exemplare zu verspeisen, wird das zu schätzen wissen. Und auch “Kuchen-Kaiser“ (sorry, liebe Kreuzberger) kriegt das so nicht hin.

Natürlicher Verbündeter des Flammkuchens ist Weißwein aus dem Elsass. Da kommen wir zu einem kleinen Schwachpunkt der Location. Elsässer Weine gibt es dort derzeit nur als ganze Flaschen. Nur zwei offene Weißweine stehen auf der Karte. Die spritzig-säurefrische Südpfälzer Cuvée aus Riesling und Silvaner ist zwar durchaus bekömmlich, hat aber bei einem Flammkuchen nichts zu suchen. Und die trockene Grauburgunder Spätlese (ebenfalls aus der Südpfalz) erschien mir mit sechs Euro für 0,1 Liter preislich arg überambitioniert.

So und nicht anders hat ein Flammkuchen auszusehen

 

Doch „Rosa Lisbert“ ist Work in Progress, sowohl was die Speise- als auch die Weinkarte betrifft. Erstere soll schrittweise um elsässische Spezialitäten erweitert werden, vom Coq au vin bis hin zu mehrgängigen Menüs. Auch die von Tierschützern eher verdammte Foie Gras (Gänse- oder Entenstopfleber) wird ihren angemessenen Platz erhalten, schließlich haben die beiden Gastrononen Lisa Meyer und Robert Havemann genug Elsass-Credability, und auch ihr Chefkoch Dennis Lennartz ist nicht dafür bekannt, halbe Sachen zu machen. Doch der Flammkuchen wird in der Lokalität stets eine wichtige Rolle spielen, was angesichts seiner herausragenden Qualität auch unbedingt sein muss.

Rosa Lisbert findet man in der Moabiter Markthalle (Arminiusstraße 2-4, nahe U-Bahnhof Turmstraße) Öffnungszeiten derzeit Montag bis Sonnabend 17-22 Uhr. Ab August soll es auch einen Mittagstisch geben

Ein herrlich unmoderner Rotwein

Nein, heute rede ich nicht über die absurde „Griechenland-Hilfe“, deren aktuelle Volte daraus besteht, dem Land einen „Überbrückungskredit“ von sieben Milliarden Euro zu gewähren, der größtenteils schnurstracks an die Europäische Zentralbank und den Internationalen Währungsfonds weiter geleitet werden muss. Oder die deftige Mehrwertsteuererhöhung für viele alltägliche Waren und Dienstleistungen, die angesichts der schwindenden Kaufkraft vieler Griechen wohl kaum nennenswerte Mehreinnahmen generieren wird, dafür aber die Verarmungsschraube weiter dreht.

Ich rede jetzt auch nicht über die europäische und deutsche Flüchtlingspolitik, über Brandanschläge und Übergriffe. Und auch die zunehmend ekliger werdende SPD (falls das überhaupt noch geht) und ihre vorsitzende Fettbemme reizen mich ebensowenig zu kommentierenden Bemerkungen, wie das wirtschaftsliberaler Spaltprodukt der rechtspopulistischen AfD.

Ich rede heute lieber über Wein, genauer gesagt über einen Spätburgunder aus Franken. Dass in dieser Region nicht nur Silvaner angebaut und zu guten bis herausragenden Weinen veredelt wird, sollte sich rumgesprochen haben. Längst gehören die „Großen Gewächse“ von Rudolf Fürst aus Bürgstadt zu den besten Spätburgundern Deutschlands und sorgen auch international für Furore. Aber es soll ja Menschen geben, die nicht immer 50 Euro für einen „Centgrafenberg“ locker auf Tasche haben, und auch in Franken geht es in erstaunlicher Qualität auch ein paar Nummern kleiner.

Bei diesem scheußlichen Etikett könnte man schon einen gewaltigen Schreck bekommen.

Wie z.B. beim Weingut Ernst Popp in Iphofen. Der bietet einen nahezu rührend „unmodernen“ Basis-Spätburgunder für schlappe 9,90 ab Hof an. „Rödelseer Schwanleite“ ist sicherlich kein Lagenname, den man sich merken muss. Doch der Wein ist grundsolide. Temperaturkontrollierte, langsame Maischevergärung und anschließender Ausbau in teilweise sehr alten Barriquefässern lassen erst gar kein „Überseefeeling“ mit reichlich Röstaromen und Vanille aufkommen. Johannes Popp geht es bei diesem Wein um Frucht, Frucht und nochmals Frucht. Allerdings von der klaren und nicht von der marmeladigen oder kompottartigen Sorte. Es ist der virtuelle Biss in reife Brombeeren, Süß-und Sauerkirschen sowie Spätburgunderbeeren, der diesen Wein so sympathisch unprätentiös daherkommen lässt. Natürlich fehlt da was. Kein Waldboden, kein Strauß frischer und getrockneter Kräuter, nichts animalisches. Aber fehlt das wirklich? Nein, der Wein ist stimmig und auf seine Weise gradlinig.

Noch kommt der 2013er arg jugendlich daher, nach dem Öffnen (Schraubverschluss) entfaltet sich merklich Kohlensäure. Doch mit der Zeit beruhigt sich der Wein und in einem halben Jahr, wenn er offiziell vom Gut gelistet wird, dürfte dies auch schon etwas anders aussehen.

Wie gesagt: kein „Großes Gewächs“ sondern ein grundsolider, fruchtbetonter Spätburgunder für 9,90 Euro ab Hof. Dort kann man den 2013 Rödelseer Schwanleite Spätburgunder QbA auch schon jetzt bestellen.

 

 

Kleines Plädoyer für kleine Pausen

Bei sommerlicher Hitze ist Berlin unerträglich. Die Stadt dampft schwül vor sich hin und alle netten Plätzchen befinden sich in einer Art Belagerungszustand. Die allgegenwärtigen Stadtneurotiker gehen einem bei diesem Wetter besonders auf den Sender. Wie z.B. jener Bekloppte, der mich anraunzte, weil ich mein Fahrrad kurz an eine Hauswand angelehnt hatte, um einen Anruf entgegen zu nehmen. Da wäre jetzt eine Druckstelle an der Fassade, dafür müsse ich eigentlich aufkommen, zeterte der verschwitzte Giftzwerg, der sich aus Hauswart der eher unscheinbaren Mietskaserne outete.

Endgültig Zeit, schnell die Fahrradtasche mit Lebens- und Genussmitteln zu füllen und das Weite zu suchen. Schließlich geht es in meinem Fall meistens nach Brandenburg, genauer gesagt nach Wandlitz-Stolzenhagen. Und wer sich auf die dortigen Einkaufsmöglichkeiten verlässt, kann böse Überraschungen erleben. Die Suche nach einem gleichermaßen trink- und bezahlbaren trockenen Weißwein kann da ebenso zur schweißtreibenden (und in der Regel erfolglosen) Odyssee werden wie der Versuch, frisches Lammfleisch zum Grillen aufzutreiben. Und das, obwohl der Ort mittlerweile von Berliner Zuzüglern überschwemmt wird. Punkten kann der versorgungstechnisch teilweise noch im HO-Zeitalter der seligen DDR befindliche Landstrich immerhin mit einem kleinen Biohof, der stets frisches saisonales Obst und Gemüse sowie die besten Eier der Welt im Angebot hat.

Arbeit habe ich mir diesmal keine mitgenommen, obwohl noch einiges auf meinem Berliner Schreibtisch liegt. Ich liebe diese Art von Kurzurlaub mit kleinlandwirtschaftlicher Freizeitbeschäftigung nebst gelegentlichen Badegängen. Der Rest ist Müßiggang und vor allem Ruhe. Und manchmal habe ich den Eindruck, dass all jene Menschen – auch und gerade unter den Politfreaks – die sich dieses temporäre Abschalten jenseits der großen Urlaubsreisen nicht gönnen, irgendwie unrund laufen.

Winzerstolz in Wandlitz. Der “Stolzenhagener Wildschweingrube 2015″ kann ein großer Jahrgang werden

Sehr viel Freude bereiten mir die Rebstöcke in meiner im Alleinbesitz befindlichen astreinen Sandlage „Stolzenhagener Wildschweingrube“. Es bahnt sich ein Rekordertrag an, auch wenn mein „Winzerkollege“ (har har) Harald Steffens wohl wieder fies grinsend die „Lockerbeerigkeit“ der Trauben anmerken würde. Der hat mit seinen Schiefersteillagen in Reil natürlich gut lästern, aber ich lasse mir meinen Brandenburger Elbling bzw. „Schmidt 60“ ( eine Unterlagsrebe, die ebenfalls Ertrag bringt) auch von arrivierten Mosel-Bio-Winzern nicht madig machen. Und bio wird bei mir auch gewirtschaftet.

Ich merke schon, die Hitze führt dazu, dass ich zunehmend dummes Zeug schreibe. Ist wohl höchste Zeit, mal wieder zum See zu radeln.

Trotz Griechenland: Es lebe das Feierabendbier

Wohl dem, der in seinem Kiez noch so eine Kneipe hat

Es ist eine bedrückende Woche. Ohnmächtig muss man mitansehen, wie ein „europäisches Partnerland“ von einer bürgerlichen Demokratie in eine Art Protektorat transformiert wird. Die Regierung Griechenlands darf nur noch beschließen, was die Troika vorher diktiert hat, der staatliche Besitz wird konfisziert. Mit Entsetzen muss man konstatieren, dass jene deutschen Politiker, die maßgeblich an der Erpressung und Demütigung Griechenlands beteiligt sind, breiten Rückhalt in der Bevölkerung haben, besonders Schäubles Popularitätswerte befinden sich auf einem Allzeithoch. In seinem großen Interview nach seinem Rücktritt schildert Yanis Varoufakis eindrucksvoll, wie diese Zombies ticken.

Auch im Alltag begegnet einem auf Schritt und Tritt Ignoranz und Desinteresse. Als ich in einem großen Facebook-Wein-Forum anregte, mal 24 Stunden auf Lifestyle-Geplapper zu verzichten, um sich Zeit zu nehmen, über die Vorgänge in und um Griechenland nachzudenken, brach ein regelrechter Shit-Storm über mich herein. Selbst in meiner örtlichen Mietergruppe gibt es Stimmen, die meinen “die Griechen“ hätten sich das schließlich selbst eingebrockt und müssten jetzt natürlich „unser Geld“ zurückzahlen.

Das alles macht mich wütend, aber auch empfindlicher für den allgegenwärtigen Wahnsinn. Auf meinem regelmäßigen Weg mit dem Fahrrad entlang der Spree zur Bundespressekonferenz fallen mir plötzlich die größer werdenden Schlafsacklager und provisorischen Zelte auf, in denen Obdachlose campieren, nur einige hundert Meter vom Kanzleramt und vom Innenministerium entfernt. Da passt es, wenn auf einer Pressekonferenz Vertreter der Immobilienwirtschaft fordern, man solle in Berlin gefälligst mehr auf Eigentumsbildung statt auf Wohnraum für Arme setzen (Steht morgen im nd)

Auch den 14.Juli, den französischen Nationalfeiertag, mochte ich nicht wie so oft mit ein paar Austern, einem anständigen Rohmilchkäse und passendem Wein feiern. Ich war seit meiner Jugend des öfteren in Frankreich und habe das Land stets als Gegenentwurf zur piefig-preußisch-protestantischen deutschen Leitkultur empfunden und das nicht nur wegen seiner Genusskultur. Das alles ist nicht verschwunden, aber jetzt haben wir eine „Grande Nation“, die vor Deutschland kuscht und auf dem Weg ist, Marine Le Pen in den Elysée-Palast zu spülen.

 Bleiben die kleinen Freuden. Wie z.B. das gestrige Feierabendbier an einem lauen Sommerabend im Vorgarten meiner Moabiter Kiezkneipe. Viele Leute, gelöste Stimmung, sogar gegrillt wurde ausnahmsweise. Aber nach ihrer Meinung zu Griechenland habe ich die dort zahlreich anwesenden flüchtigen Bekannten lieber nicht gefragt.