Es lebe der Spargelkönig 2018

In knapp zwei Wochen endet die Spargelsaison 2018. Einigermaßen genießbare Importware aus Polen oder den Niederlanden gibt auch noch ein bisschen länger. Doch dann sollte auch Schluss sein, denn um das später angebotene Zeugs aus Griechenland und Peru sollte man aus verschiedenen Gründen einen großen Bogen machen.

Also zwei Wochen Zeit, sich noch mal anständigen Spargel zu besorgen. Was gar nicht so einfach ist, denn die „optimierten“ Hybridsorten, die den Markt dominieren, wachsen zwar kerzengerade, sind immer schön weiß und haben fest geschlossene Köpfe – doch sie schmecken eher fade.

Zu Spargel gehören in erster Linie Kartoffeln und zerlassene Butter. Der Rest ist mehr oder weniger überflüssiges Beiwerk. Das gilt nicht nur für schleimige Hollandaise, sondern auch für Schinken, Schnitzel und Bratwürste. Das ist schlicht weniger als eine unziemliche Degradierung des feinen, edelbitteren Gemüses zu einer „Beilage“, und das gehört sich nicht. Punkt

Eines fehlt da allerdings noch. Eine passende Flasche Wein. Also keine Fruchtbombe und Alkoholgranate, sondern ein leichter, frischer Weißwein mit zurückhaltender Primäraromatik, deutlich mineralisch, gut eingebundener Säure und eher zarten Fruchtaromen. Erste Wahl ist für uns dabei stets junger fränkischer Silvaner mit maximal 12,5% Alkohol und vier Gramm Restzucker (pro Liter) Darf auch ruhig weniger sein.

Rund 50 fränkische Silvaner haben wir zu Spargel mit Kartoffeln und Butter verkostet. Fünf kamen ins große Finale. Der Gutswein von Rainer Sauermachte schließlich eindeutig das Rennen

Essen, essen, essen, trinken, trinken, trinken – und immer an die Leser denken lautet seit einigen Jahren unser Motto. Denn wir küren in jeder Saison den „Spargelkönig“. Rund 50 Proben haben wir in mehreren Vorrunden zu Spargel verkostet, und die fünf Besten nochmal in einem Finale gegeneinander antreten lassen. Nicht nur der Genuss (wenn man von einigen zweifelhaften Weinen mal absieht) war beträchtlich, sondern auch der Erkenntnisgewinn. Dazu einige Thesen:

1.) Einfache, aber dennoch exzellente gradlinige und reintönige Gutsweine passen besser als vermeintlich „höherwertige“ Abfüllungen – die in „normalen“ Verkostungen mit Sicherheit besser abschneiden würden. Man kann es nicht oft genug sagen: Die Qualität eines Weines sollte man im Kontext seines Genusses bewerten und kein Mensch braucht ein „Großes Gewächs“ zu Spargel.

2.) Im fränkischen Weinbau gibt es drei prägende Bodenformationen : Muschelkalk, Buntsandstein und Keuper. In der Regel passen Muschelkalk-Weine wesentlich besser zu Spargel nature als andere. Mit einer Bratwurst dazu sähe das sicherlich etwas anders aus.

3.) Unser Modus ist gemein und gnadenlos – aber dennoch richtig. Wenn fünf Weine parallel zum Spargel getrunken werden, schält sich schlicht heraus, welcher am besten passt – andere Kriterien gibt es nicht. Das könnte man auch verbraucherorientierten Weinjournalismus nennen.

Die Finalentscheidung fiel uns diesmal vergleichsweise leicht. Sehr schnell schälte sich der Gutswein von Rainer Sauer (der in einer Vorrunde seine beiden höher klassifizierten Orstwein-Brüder deutlich ausgestochen hatte) als „Spargelkönig 2018“ heraus. Frisch, mineralisch, dezente Kernobstanklänge, feine Säure, ganz leicht „grüne“Aromatik, eine Spur Salz und nur 11,5% Alkohol.

Wie geht das? Ganz einfach. Bei Sauers wird ohnehin vergleichsweise früh gelesen, um jeden Anflug von Überreife zu vermeiden. Denn Winzer, die nicht präzise auf den Klimawandel reagieren, bekommen zunehmend Probleme, diesen klassischen Typ leichten, trockenen Weißweine überhaupt noch produzieren zu können. Ein höherer Reifegrad bedeutet mehr Zucker im Most und in der Folge entweder mehr Alkohol (wenn man ihn durchgären lässt) oder mehr Restzucker (wenn man die Gärung stoppt). Für den Gutswein wird ein Teil der Trauben sogar noch früher gelesen, wegen der gewünschten dezent „grünen“ Aromatik. Der Rest ist kurze Standzeit auf der Maische, Vergärung und Ausbau in Edelstahltanks – die bei diesem Weintyp Holzfässern eindeutig vorzuziehen sind.

Sieben Euro kostet dieses (nicht nur zu Spargel, sondern auch einfach „nur so“) ungetrübte Trinkvergnügen. Ein äußerst fairer Preis, zumal das Weingut Rainer Sauer seit einiger Zeit zu den überall abgefeierten Superstars der fränkischen Silvaner-Szene gehört. Doch es geht nicht nur um den Preis. Vor allem achtet Sauer auch bei seinem Basiswein konsequent auf gutes Lesegut und hohe Qualität. Was man nicht von allen seiner Kollegen im noblen „Verband Deutscher Prädikatsweinwinzer“ (VDP) behaupten kann.

Wie dem auch sei: Der Silvaner VDP.Gutswein 2017 von Rainer Sauer ist ein rundum würdiger Spargelkönig. Möge dieser kleine Artikel möglichst viele Leser dazu verleiten, die verbleibende Spargelzeit zu einem Rendezvous mit dem Edelgemüse und dem optimal dazu passen Wein zu nutzen.

Den Wein gibt es für sieben Euro ab Hof

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