Danke Lidl

Wer’s hat, der kann sich für 50, 500 oder 5000 Euro einen Tokajer, eine angesagte deutsche Trockenbeerenauslese oder einen Chateau d’Yquem besorgen, wenn ihm der Sinn nach edelsüßen Weinen steht. Wer mit schmalerer Brieftasche unterwegs ist, kann zu Lidl gehen und im Moment einen Monbazillac für 4,49 Euro kaufen. Frisch und präsent, geröstetete Mandeln, Honig, getrocknetes Obst, ein wenig Orangenschale und feine Säure.

Ja, die erstgenannten mögen vielschichtiger und filiraner sein. Den Preisunterschied erklärt das allerdings nicht. Natürlich lassen sich derartige Qualitätsunterschiede nicht in Formeln ausdrücken. Ein Faktor zehn mag noch irgendwie nachvollziehbar sein, ein Faktor 100 oder gar 1000 keinesfalls. . Das erinnert dann eher an das Verhältnis zwischen dem Gehalt der Arbeiter bei VW und dem Salär (plus Rentenansprüchen) für Ex-VW-Chef Martin Winterkorn.

Und nein: Ich bin weder „Schnäppchenjäger“ noch „Geiz ist geil“ – Propagandist. Sondern einfach ein Weinfreund, der sich teure Tropfen selten bis nie leisten kann und dennoch genusstechnisch nicht zu kurz kommen will. Deswegen: Danke für dieses Angebot. Lidl.

2 Gedanken zu “Danke Lidl

  1. Nur mal zum Vergleich:
    Der Durchschnittspreis aller verkauften Weine lag in Deutschland 2016 mit 2,92 Euro pro Liter (!) um fünf Cent unter dem Vorjahr.
    Der Preis für Weine aus Deutschland lag 2016 bei 3,20 Euro je Liter. (Weininstitut/Handelsblatt).
    Meistens kaufe ich Weine, die zwischen 4 und 5 Euro die Flasche kosten. Bei mir liegt die „Schallgrenze“ bei 6 Euro die Flasche. Da ist auch schon Genuss dabei!

    Gruß Wal

    • Ich gebe Dir vollkommen recht. Wer sich ein bisschen umguckt, kann für 5-6 Euro recht anständige Weine finden.Doch die meisten Weinpublizisten leben in einer “Blase”, da sie die Edeltropfen eh in der Regel als Kostmuster für lau bekommen. Wobei nichts dagegen spricht, sich auch mal teurere Weine zu leisten – wenn sie denn tatsächlich herausragende Qualität bieten und man es sich leisten kann.